Hausaufgaben in der Therapie: Was die Forschung zeigt – und was nicht
Drei große Übersichtsarbeiten zu Hausaufgaben in der Psychotherapie, verständlich erklärt: was sie belegen, wie stark der Effekt ist und wo die Grenzen liegen.
Wer Hausaufgaben mitgibt, tut das meist aus Erfahrung: Was zwischen den Sitzungen geübt wird, kommt in der nächsten Stunde verändert zurück. Aber was weiß die Forschung darüber? Wir haben die drei wichtigsten Übersichtsarbeiten gelesen und fassen zusammen, was sie zeigen – und genauso deutlich, was sie nicht zeigen.
Die Kurzfassung
• In der kognitiven Verhaltenstherapie schneiden Behandlungen mit Hausaufgaben besser ab als dieselben Behandlungen ohne. Das ist gut belegt.
• Wer mehr und besser übt, hat am Ende tendenziell bessere Ergebnisse. Das ist ein Zusammenhang, noch kein Beweis für Ursache und Wirkung.
• Fast alle Studien stammen aus der Verhaltenstherapie. Für andere Verfahren fehlen vergleichbare Daten.
Studie 1: gleiche Therapie, einmal mit und einmal ohne Hausaufgaben
Die wichtigste Arbeit stammt von Nikolaos Kazantzis und Kollegen aus dem Jahr 2010. Sie haben 46 Studien mit zusammen 1.072 Patientinnen und Patienten ausgewertet. Entscheidend ist ein Teil davon: Studien, in denen dieselbe Behandlung einmal mit und einmal ohne Hausaufgaben durchgeführt wurde. Nur so ein Vergleich kann zeigen, ob die Hausaufgaben selbst den Unterschied machen.
Das Ergebnis: Mit Hausaufgaben ging es den Menschen am Ende der Therapie messbar besser. Der Unterschied liegt bei einer Effektstärke von d = 0,48. Das ist nach üblicher Lesart ein kleiner bis mittlerer Effekt– für einen einzelnen Baustein einer Behandlung ist das beachtlich. Was diese Zahl genau bedeutet, erklären wir in einem eigenen Beitrag.
Aus dieser Studie stammt auch die oft zitierte Zahl „62 zu 38“: Rechnet man den Effekt in Prozent um, verbessern sich rund 62 von 100 Menschen mit Hausaufgaben und 38 von 100 ohne. Wichtig: Das ist eine Umrechnung, keine gemessene Quote. Und sie vergleicht Therapie mit und ohne Hausaufgaben – nicht Menschen, die viel üben, mit Menschen, die wenig üben.
Studie 2: Kommt es auf die Menge an oder auf die Qualität?
2016 hat dieselbe Forschergruppe eine andere Frage gestellt: Hängt es mit dem Ergebnis zusammen, wie viel und wie gut Patientinnen und Patienten ihre Hausaufgaben umsetzen? Ausgewertet wurden 17 Studien mit 2.312 Menschen.
