62 % zu 38 %: Woher die Zahl zum Hausaufgaben-Effekt kommt – und was sie bedeutet
62 % mit Hausaufgaben, 38 % ohne“ – woher die oft zitierte Zahl stammt, wie sie aus der Effektstärke berechnet wird und was sie bedeutet. Und was nicht.
Die Zahl taucht in Vorträgen, auf Websites und in Präsentationen auf: 62 zu 38. Oft heißt es dann: „Mit Hausaufgaben verbessern sich 62 von 100 Menschen, ohne nur 38.“ Das klingt eindrucksvoll. Aber was steckt dahinter?
Woher die Zahl kommt
Sie stammt aus einer großen Übersichtsarbeit von Kazantzis und Kollegen aus dem Jahr 2010[1]. Dort wurden Studien ausgewertet, in denen dieselbe verhaltenstherapeutische Behandlung einmal mit und einmal ohne Hausaufgaben durchgeführt wurde. Ergebnis: ein Vorteil für die Behandlung mit Hausaufgaben, mit einer Effektstärke von d = 0,48.
Wie aus 0,48 „62 zu 38“ wird
Eine Effektstärke ist für viele schwer vorstellbar. Deshalb gibt es eine Umrechnung, die sie anschaulicher macht: das sogenannte Binomial Effect Size Display, entwickelt von Rosenthal und Rubin[2]. Es beantwortet die Frage: Wenn insgesamt die Hälfte aller Behandelten „Erfolg“ hätte – wie würde sich dieser Erfolg auf die beiden Gruppen verteilen?
Die Rechnung in Kürze: Aus d = 0,48 wird ein Korrelationswert von etwa 0,23. Die Hälfte davon, also etwa 11,7 Prozentpunkte, kommt zu den 50 Prozent hinzu oder wird abgezogen. So entstehen rund 62 und 38.
Was die Zahl bedeutet
Sie zeigt anschaulich, dass der Unterschied zwischen Therapie mit und ohne Hausaufgaben nicht klein ist. Und sie beruht auf einem direkten Vergleich – also auf der stärksten Art von Beleg, die es in diesem Bereich gibt.