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62 % zu 38 %: Woher die Zahl zum Hausaufgaben-Effekt kommt – und was sie bedeutet

62 % mit Hausaufgaben, 38 % ohne“ – woher die oft zitierte Zahl stammt, wie sie aus der Effektstärke berechnet wird und was sie bedeutet. Und was nicht.

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vonArrivara Redaktion
26. Oktober 20262 Min. Lesezeit

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Veröffentlicht am26. Oktober 2026

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Schlagworte#Arrivara#TherapeutischeHausaufgaben#Psychotherapieforschung#Metaanalyse#Psychotherapie

Die Zahl taucht in Vorträgen, auf Websites und in Präsentationen auf: 62 zu 38. Oft heißt es dann: „Mit Hausaufgaben verbessern sich 62 von 100 Menschen, ohne nur 38.“ Das klingt eindrucksvoll. Aber was steckt dahinter?

Woher die Zahl kommt

Sie stammt aus einer großen Übersichtsarbeit von Kazantzis und Kollegen aus dem Jahr 2010[1]. Dort wurden Studien ausgewertet, in denen dieselbe verhaltenstherapeutische Behandlung einmal mit und einmal ohne Hausaufgaben durchgeführt wurde. Ergebnis: ein Vorteil für die Behandlung mit Hausaufgaben, mit einer Effektstärke von d = 0,48.

Wie aus 0,48 „62 zu 38“ wird

Eine Effektstärke ist für viele schwer vorstellbar. Deshalb gibt es eine Umrechnung, die sie anschaulicher macht: das sogenannte Binomial Effect Size Display, entwickelt von Rosenthal und Rubin[2]. Es beantwortet die Frage: Wenn insgesamt die Hälfte aller Behandelten „Erfolg“ hätte – wie würde sich dieser Erfolg auf die beiden Gruppen verteilen?

Die Rechnung in Kürze: Aus d = 0,48 wird ein Korrelationswert von etwa 0,23. Die Hälfte davon, also etwa 11,7 Prozentpunkte, kommt zu den 50 Prozent hinzu oder wird abgezogen. So entstehen rund 62 und 38.

Was die Zahl bedeutet

Sie zeigt anschaulich, dass der Unterschied zwischen Therapie mit und ohne Hausaufgaben nicht klein ist. Und sie beruht auf einem direkten Vergleich – also auf der stärksten Art von Beleg, die es in diesem Bereich gibt.

Was die Zahl nicht bedeutet

•     Sie ist keine gemessene Quote. Niemand hat Patientinnen und Patienten gezählt. 62 % und 38 % sind Anteile, die aus der Effektstärke d = 0,48 umgerechnet wurden – unter der Annahme, dass insgesamt die Hälfte aller Behandelten Erfolg hat.

•     Sie vergleicht nicht „viel üben“ mit „wenig üben“. Sie vergleicht Therapie mit Hausaufgaben mit derselben Therapie ohne. Wer die Zahl für „Patienten, die ihre Hausaufgaben machen, gegenüber solchen, die es nicht tun“ verwendet, ordnet sie der falschen Frage zu.

•     Sie gilt für die Verhaltenstherapie. Für andere Verfahren fehlen vergleichbare Studien.

•     Sie sagt nichts über Apps. Keine der ausgewerteten Studien hat digitale Werkzeuge untersucht.

Warum die Umrechnung trotzdem nützlich ist

Das Binomial Effect Size Display ist in der Forschung nicht unumstritten, gerade weil es mit einer vereinfachenden Annahme arbeitet. Es hat aber einen großen Vorteil: Es übersetzt eine abstrakte Zahl in eine Vorstellung, die jeder versteht. Wer es verwendet, sollte die Annahme dazusagen – dann ist es eine faire Veranschaulichung.

Ein Rechenbeispiel zum Nachvollziehen

1.    Effektstärke aus der Studie: d = 0,48[1].

2.    Umrechnung in einen Korrelationswert: r = d / √(d² + 4) ≈ 0,23.

3.    Die Hälfte davon: 0,23 / 2 ≈ 0,117, also etwa 11,7 Prozentpunkte.

4.    Mit Hausaufgaben: 50 + 11,7 ≈ 62 %. Ohne: 50 − 11,7 ≈ 38 %. Der Unterschied: rund 23 Prozentpunkte.

Das ist alles. Keine gezählten Patientinnen und Patienten, sondern eine Umrechnung.


“Wie wir die Zahl heute verwenden”

Wenn wir sie nennen, dann so: „Im direkten Vergleich derselben Therapie mit und ohne Hausaufgaben ergibt sich, umgerechnet aus der Effektstärke, ein Anteil von 62 % zu 38 %. Das ist eine rechnerische Veranschaulichung der Studienergebnisse (Kazantzis et al., 2010), keine gemessene Quote.“

Quellen

  1. [1]
    [1] Kazantzis, N., Whittington, C. & Dattilio, F. (2010). Meta-analysis of homework effects in cognitive and behavioral therapy: A replication and extension. Clinical Psychology: Science and Practice, 17(2), 144–156 · Quelle aufrufen
  2. [2]
    Rosenthal, R. & Rubin, D. B. (1982). A simple, general purpose display of magnitude of experimental effect. Journal of Educational Psychology, 74(2), 166–169. · Quelle aufrufen

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