Hausaufgaben werden in der Therapie zu selten genutzt. Das stand 2010 im Ärzteblatt – und heute?
2010 schrieb das Ärzteblatt: Hausaufgaben in der Therapie werden zu selten genutzt. Was damals stand, was die Forschung seitdem zeigt.
Die Sitzung lief gut. Die Übung war verstanden, die Patientin wirkte motiviert, der nächste Schritt war verabredet. Eine Woche später der Satz, den jede Praxis kennt: „Ich bin leider nicht dazu gekommen.“
Das ist keine Ausnahme und kein Zeichen von Desinteresse. Es ist ein bekanntes Muster – und es ist älter als das Smartphone.
Ein Befund aus dem Jahr 2010
Im Januar 2010 erschien im Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe für Psychologische Psychotherapeuten, ein Beitrag von Marion Sonnenmoser unter dem Titel „Hausaufgaben in der Psychotherapie: Noch unentdecktes Potenzial“. Die Kernaussage: Aufgaben zwischen den Sitzungen können viel bewirken – und werden trotzdem zu selten systematisch eingesetzt.
Der Beitrag fasste zusammen, wozu Hausaufgaben dienen: Sie geben Raum zum Üben, sie übertragen Erarbeitetes in den Alltag, und sie lassen Menschen erleben, dass sie selbst etwas bewirken können. Er nannte auch die typischen Gründe, warum sie liegen bleiben – Zeitmangel, Unklarheit über die Aufgabe, fehlender Sinn, Perfektionismus, Antriebslosigkeit, die Angst, etwas falsch zu machen. Und er hielt fest, dass schon das Wort „Hausaufgabe“ bei manchen an Schule erinnert.
Daraus leitete der Beitrag Empfehlungen ab, die sich bis heute lesen lassen wie eine Checkliste: Aufgaben bewältigbar zuschneiden, an Stärken anknüpfen, Hindernisse vorher besprechen, genau und konkret formulieren, den Sinn erklären, schriftliches Material mitgeben und jede Aufgabe in der nächsten Sitzung besprechen.